Alles rund um den Wasserstoffatemtest PDF Drucken E-Mail

Alles rund um den H2-Atemtest

 

Der H2-Atemtest ist die Abkürzung für den Wasserstoffatemtest. Dieser wird zur Bestimmung von Fructose- (und Lactose-)Unverträglichkeit beim Arzt herangezogen.

 

So läuft der Test ab:

 

„to do“

Vor dem Test

Einfach bei einem Gastroenterologen anrufen und einen Termin vereinbaren.

Am Vorabend des Tests

Ab 20 Uhr darf nichts gegessen oder getrunken werden (außer stilles Wasser), damit die Testergebnisse am Folgetag nicht durch andere Faktoren verfälscht werden.

Der Testtag (circa 8-12 Uhr)

Beim Arzt misst man selbstständig mit einem Handgerät, in das man vorher eingewiesen wird, nach dem Trinken von „Fruchtzuckerwasser“ seine Wasserstoffatemkonzentration. Das ist wie bei dem Alkoholtest der Polizei, bei dem man in ein Röhrchen pusten muss. In 30 minütigen Abständen wird den weitere Verlauf der Wasserstoffkonzentration in der Atemluft gemessen.

Das Gespräch mit dem Arzt

Das findet nach dem Test statt, egal ob das Testergebnis positiv ist oder nicht. Das Gespräch ist meist wenig informativ, da die FM kaum erforscht ist.

 

20 ppm? Was hat es damit auf sich?

Die Atemluft wird auf die Konzentration von Wasserstoff geprüft. Eine hoher Wert weist auf einen schlechten Fructoseabbau hin. Bei einem Menschen mit Fruchtzucker-Unverträglichkeit kann die Fructose nicht bzw. nur wenig aufgenommen werden. Der unverdaute Fruchtzucker gelangt dann von dem Dünn- in den Dickdarm, wo er durch die Bakterien zu Wasserstoff zersetzt wird. Zu einem Teil wird dieser über die Lunge abgeatmet und kann daher in der Atemluft nachgewiesen und sogar quantitativ bestimmt werden.

Die Menge des Wasserstoffs wird in parts per million (ppm), also Teilchen pro einer Million  Teilchen, angegeben. Wird eine bestimmte Konzentration an Wasserstoff in der Atemluft im Vergleich zum Ausgangswert überstiegen – nämlich um 20 ppm – liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Fruchtzucker-Unverträglichkeit vor.

 

Ein positives Testergebnis kann bedeuten, dass...

-         Fruchtzucker im Dünndarm kaum aufgenommen wird, da das dafür verantwortliche Transportprotein GLUT 5 nicht in genügend großer Anzahl vorhanden ist und/oder zu langsam arbeitet.

-         die Geschwindigkeit des Durchgangs der Kohlenhydrate vom Dünn- in den Dickdarm zu schnell erfolgt und demzufolge zu wenig Zeit für die Aufnahme bleibt

-         es eine Fehlbesiedelung der Bakterien im Dünndarm gibt, die den Fruchtzucker zersetzen bevor er aufgenommen werden kann.

Der erste Grund gilt in der Wissenschaft als der häufigste bzw. wahrscheinlichste.

 

Kritikpunkte am Wasserstoffatemtest

Vorneweg: Im Folgenden werde ich den Wasserstoffatemtest sehr kritisch betrachten. Das heißt aber nicht, dass ich ihn nicht schätze! Bei meinen Ausführungen möchte ich Kritikpunkte anmerken, die oft unerwähnt bleiben, den Test dennoch nicht grundsätzlich in Frage stellen sollen. Man muss immer den aktuellen, eher bescheidenen Forschungsstand dabei berücksichtigen. Der Atemtest ist dessen ungeachtet die einfachste und schnellste (und einzige?) Methode, die es zur Zeit gibt.

 

1. Der Test ist indirekt!

Ein großer Kritikpunkt am Test ist, dass lediglich der Wasserstoff-Ausstoß gemessen wird und nicht die Aktivität des GLUT 5-Transporters. Was tatsächlich festgestellt werden kann ist, ob die Darmbakterien Gas produzieren oder nicht. Die Methode ist demzufolge indirekt, denn leider ist es (noch?) nicht möglich das Transportprotein selbst zu untersuchen. So kann man eigentlich nicht sagen, ob eine FM durch Bakterien oder eine Fehlfunktion des Transporters verursacht wird!

 

2. Problem: Nicht-Wasserstoff-Produzierer

Es gibt (wenige) Menschen, deren Darmbakterien keinen Wasserstoff produzieren, sondern Methan. Bei ihnen kann mit dem Wasserstoffatemtest also keine Fructose-Malabsorption diagnostiziert werden. Meist haben die Betroffenen jedoch die typischen Symptome und es wird ein anderer Test durchgeführt, in dem man den Methangehalt in der Atemluft misst.

 

3. Die Menge des Fruchtzuckers

Es gibt unterschiedliche Daten zum Fructose-Verbrauch. Während ein durchschnittlicher US-Bürger circa 40-54g Fructose täglich zu sich nimmt, sind es beispielsweise in Finnland nur 11-20 g pro Kopf. Somit kann der Test je nach Dosis unterschiedliche Auswirkungen haben. Das Verdauungssystem eines finnischen Nicht-Fructose-Malabsorbers wird wahrscheinlich mit der üblichen Testdosis von 25 g eher Probleme aufweisen, da dies keine alltägliche Menge darstellt.

In Deutschland ist die Testmenge oft 25 g oder sogar 50 g, unabhängig von Variablen wie Alter oder Gewicht, was durchaus kritisch betrachtet werden kann. Der Test könnte somit auch bei Nicht-Fructose-Malabsorbern zu einem positiven Testergebnis führen.

 

4. Anhaltewert von 20 ppm und Dauer des Tests

Es gibt anscheinend keine Übereinstimmung, was als signifikanter Wert für die Diagnose einer Fructose-Malabsorption gilt. In manchen Ländern liegt der Wert bei 3 oder 6 ppm, oft auch bei 10 ppm, in wieder anderen Regionen bei 20 ppm und manchmal müssen mindestens 3 ppm Wasserstoff zwischen den einzelnen Messwerten liegen.

Auch die Dauer des Tests kann eine wichtige Rolle spielen, denn je nachdem wie schnell die Darmbakterien die Fructose zu Gasen (u.a.) zerlegen, können sich die Testwerte verschieben.

Die Erfahrung zeigt jedoch häufig, dass sich eine FM im Atemtest in weit höheren Werten als nur 20 ppm äußert.

 

Die Konsequenz des Atemtests – die Auslassdiät

Es gibt keine (fest) definierte Fructosearme/-freie Diät. Hinzu kommen häufig noch irreführende oder wenig transparente Glucose-Fructose-Tabellen, die leider keine Hilfe bei der Durchführung bieten.

 

Bleiben die Beschwerden, so sollte man sich eventuell darüber hinaus auf zusätzliche Unverträglichkeiten wie Lactose- oder Glutenunverträglichkeit, Kohlenhydratmaldigenstion (Unverträglichkeit von besonders langkettigen Kohlenhydraten wie Stärke) etc. testen lassen.

 

 

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