Gibt es einen Zusammenhang zwischen einer FM und Depressionen? PDF Drucken E-Mail

Gibt es einen Zusammenhang zwischen einer FM und Depressionen? 

 

Oft liest man, dass eine Fruchtzucker-Unverträglichkeit mit psychischen Veränderungen einhergeht. Forscher und Betroffene sprechen von einem Zusammenhang von FM und Depressionen aufgrund einer gestörten Aufnahme von Tryptophan.

Und nein, ich spreche hier NICHT von schlechter Laune, sondern wirklich von Depressionen (die natürlich unterschiedlich stark ausgeprägt sein können).

Damit möchte ich mich im folgenden beschäftigen.

 

Die Theorie:

In einer Maillard-Reaktion reagiert ein Zucker mit einer Aminosäure unter Abspaltung von Wasser zu einer neuen Verbindung. Bei einem FMler soll der unverdaute Fruchtzucker mit der Aminosäure Tryptophan reagieren.

Im Körper wird Tryptophan zu Serotonin umgewandelt. Dieses dient als Neurotransmitter und „Glücklichmacher“. Durch die Reaktion des Fruchtzuckers mit Tryptophan könnte die Umwandlung zu Serotonin jedoch nicht mehr erfolgen. Ein Mangel an Serotonin soll ein Auslöser für Depressionen sein.

Depressive Stimmungen werden nach dem Beck’schen Depressionsscore bemessen und treten Studien zufolge häufiger bei Frauen auf.

 

Die Reaktionsbedingungen!

Die Maillard-Reaktion gibt es tatsächlich und ist als Bräunungsreaktion bei Lebensmitteln sehr bekannt (z.B. beim Braten oder Backen). Sie kann mit unterschiedlichen Zuckern und Aminosäuren stattfinden.

Was allerdings selten erwähnt wird, sind die Reaktionsbedingungen: Wie muss die Temperatur, der pH-Wert, die Konzentration, der Wassergehalt für die stattfindende Reaktion sein und wie lange dauert sie? Im Labor zeigen sich beispielsweise geringe Mengen an einem Fructose-Tryptophan-Addukt, wenn beide Ausgangssubstanzen zusammen in wässriger Lösung bei ca. 100°C drei Stunden gekocht werden. Andere Werte für die Temperatur von Maillard-Reaktionen liegen zwischen 40 und 70°C; wobei es sich nicht gerade um Temperaturen handelt, bei dem der menschliche Organismus noch überlebensfähig ist.

Die Maillard-Reaktion im Körper ist noch wenig erforscht. Kann man vom Reagenzglas auch auf den menschlichen Organismus schließen?

 

Meine Meinung zur Untersuchung...

Ich persönlich erachte die Untersuchungen als nicht bewiesen. Bisher habe ich leider noch nichts über einen Nachweis dieser Reaktion bei FMlern gelesen, der für mich aber unabdingbar ist, um an einen Kausalzusammenhang zu glauben!

Zudem ist ein Serotoninmangel als Auslöser für Depressionen umstritten.

Des Weiteren zeigt sich, dass diese Studien mit nur sehr wenigen Betroffenen in einem sehr kurzen Zeitraum durchgeführt wurden.

Und was ich davon halte einen psychischen Zustand nach einem standardisierten Depressionsscore zu bemessen, möchte ich gar nicht erst ausführen... Die Vorgänge bei physisch bedingten psychischen Veränderungen sind schwer zu verstehen, denn es gibt viele Zwischenschritte in dieser Kausalkette die für Depressionen verantwortlich sein können. Mir fehlt die Berücksichtigung individueller Faktoren.

 

Viele Hypothesen – wenig Belege!

Das lässt sich zu so manchen Texten sagen, die man zu diesem Thema finden kann. Damit eine Untersuchung eine hohe Gültigkeit besitzt, müssen große Testgruppen gewählt werden, so dass die Beweiskraft für den behaupteten Zusammenhang zwischen FM und Depressionen ausreicht.

Man sollte auch beim Lesen von verschiedenen Texten darauf achten, ob sie evtl. von der gleichen Arbeitsgruppe stammen. Die Häufung der gleichen Inhalte führt sonst zu einer (scheinbaren) Bestätigung der Ergebnisse.

Wichtig ist ein Blick darauf, ob die im Text formulierten Vermutungen auch wirklich bewiesen werden oder es beim Konjunktiv („es könnte sein, dass...“) bzw. bei vagen Formulierungen bleibt. Eine differenzierte Herangehensweise an wissenschaftliche Texte ist nötig, wenn man deren Gültigkeit prüfen und nicht alles unreflektiert übernehmen möchte!